Malerei - Ausschnitt

Projekt: ECArTE 2011 in Lucca - Ein Bericht.

Klicken sie auf ein Bild um es zu vergrößern.

ECArTE ist eine europäische Vereinigung für künstlerische Therapie, die 1991 gegründet wurde. Die diesjährige Konferenz fand in Lucca (Italien) vom 21.09- 24.09.2011 statt, bei der die Vorträge, Workshops und künstlerische Präsentationen unter dem Thema „Arts Therapies and the Intelligence of Feeling“ standen.

Prof. Gabriele Schmid, drei Studentinnen (Hanna Mertins, Claudi Kohlhof, Mechthild Grote) des Studiengangs Kunst im Sozialen. Kunsttherapie und ich (Studiengang Theater im Sozialen) nahmen als Vertreterinnen der Fachhochschule Ottersberg an dieser Konferenz teil.

Die (insgesamt etwa 300) TeilnehmerInnen kamen aus 29 verschiedenen Ländern, von denen die Niederlande, Italien und England am stärksten vertreten war.

Schon vor Beginn dieser Konferenz interessierte mich der „interdisziplinäre Gedanke“. Es ist immer wieder Thema in der Fachhochschule Ottersberg und im Forschungsinstitut für Kunsttherapie und Theaterpädagogik. Vor der Konferenz hatte ich darüber eher nur theoretisches Wissen und ich wollte wissen, wie das praktisch aussehen kann.
Da ich bisher wenig Erfahrung mit Bildender Kunst/ Kunsttherapie hatte, interessierte mich, was für die StudentInnen und Fachleute Kunsttherapie bedeutet und was sie in dieser Disziplin antreibt und berührt, sowie ich das für mich bzgl. der Theaterpädagogik beschreiben kann.
Wenn ich Theater spiele oder anderen dabei zusehen, berührt das mein Herz und mir war klar, dass muss Menschen die gestalten, malen, etc. ähnlich gehen  und diese Sprache wollte ich verstehen.

Eine Antwort darauf fand ich in einem Vortrag von Astri Ziesler, die als Kunsttherapeutin mit einer sterbenden Frau gearbeitet hatte. Der Titel dieses Vortrages lautete: „From intellect to feeling – the art therapy journey of a dying patient.“. Astri Ziesler berichtete von ihrer Klientin und zeigte Bilder von ihr, die sich im Verlauf der Zeit stark veränderten. Ziesler beschrieb diesen Verlauf als Metamorphose, in der die Klienten zuerst Zeichnungen produzierte, die nach ein paar Wochen von farbigen abstrakten Bildern abgelöst wurden. Kurz vor ihrem Tod malte sie einen Schmetterling, als solcher sie sich fühlte. Es stellte ihre Seele als Schmetterling dar, der ihren Körper verlässt. Die Klienten befasste sich mit ihrem Sterbeprozess zuerst auf intellektueller Ebene, die auf eine künstlerische und emotionale Weise erweitert wurde.
Ich erkannte Parallelen zu der Theaterarbeit, in der wir uns ebenfalls weniger dem Intellekt, sondern eher der künstlerischen und sinnlich erfahrbaren Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen widmen.

Wenn ich mir in Museen oder andererorts Bilder ansah, die verschiedene KünstlerInnen malten, sagten sie mir nichts und berührten mich auch nicht, eben weil ich es nicht als eine Sprache gesehen habe, so wie sich Schauspieler und Regisseure theatraler Zeichen bedienen.
Da ich in meinem Studium wenig Berührungspunkte mit den Bildenden Künstlern und KunsttherapeutInnen bisher hatte, blieb mir diese „Welt“ eher verborgen. Und so erkannte ich  Potenziale der Kunsttherapie und Bildenden Kunst, die ich für mich, als zukünftige Theaterpädagogin nutzen kann. Meine Überlegung ist, dass ich sehr wahrscheinlich in meinem Beruf als Theaterpädagoge Menschen begegnen, die (noch) Schwierigkeiten haben, sich verbal und/ oder tänzerisch auszudrücken. So empfinde ich es als sehr wertvoll, Einblicke in die Methoden der Bildenden Kunst zu bekommen, die ich meinen späteren TeilnehmerInnen anbieten kann um künstlerisch zu arbeiten und sich alternativ ausdrücken zu können.

Ich halte es für sinnvoll, diese virtuelle „Mauer“, die die verschiedenen künstlerischen Disziplinen (Theater, Bildende Kunst, Tanz, Musik, …) voneinander trennen, die ich immer wieder im Studiumsalltag und auch in verschiedenen Einrichtungen und Institutionen erlebe, aufzulösen. Denn alle haben das selbe Interesse:
Am Menschen, das Leben, die Fragen die ihn ihm und im Leben stecken und Gefühle. Wir möchten den Menschen mit denen wir arbeiten, eine Möglichkeit geben, bei der sie sich künstlerisch ausdrücken können, die Persönlichkeit gestärkt wird u.s.w.

Während verschiedener Vorträge, die ich besuchte, bekam ich weitere Einblick in die verschiedenen Arbeitsweisen mit künstlerischen Mitteln. Dazu gehörte Tanz und Bewegung: „Dance movement therapy“, Poetry therapy und Geschichten erzählen/ schreiben („The use of metaphor in the treatment of dysfunction within familar systems“).  

Neben den Vorträgen besuchte ich verschiedene Workshops.
In einem untersuchten wir unsere eigene Stimme und ihre Bandbreite („The primal intelligence of vocal expression (…) “). Eran Natan, der Workshopleiter, kam aus dem dramatherapeutischen Bereich. Die Inhalte, die ich durch Improvisationen und das praktische Ausprobieren vermittelt bekam, lassen sich auch auf den theaterpädagogischen Bereich übertragen. Es gibt Menschen, die auf einer bestimmten Ebene (Kopf, Gesicht, Hals, Brust oder Unterleib),  in der Stimme erzeugt werden kann, blockiert sind. Das kann auf traumatische Erlebnisse zurückgehen. In meiner theaterpädagogischen Arbeit, würde ich diese Methode nicht therapeutisch einsetzen, sondern eine breitere und variable Ausdrucksmöglichkeit im Stimmbereich zu fördern oder ich könnte es zur Figurenerarbeitung einsetzen.

In einem weiteren Workshop ging es um den Devil Stick, der aus dem Zirkusbereich kommt. Wir erlernten Techniken, um diesen zu balancieren. In einem reflektivem Gespräch wurden die Potenziale die in dieser Methode stecken verdeutlicht. Diese Erarbeitung zielte natürlich auf die therapeutische  Arbeit ab, woraus ich jedoch wieder für meine Theaterarbeit wertvolle Methoden und Ansätze ziehen konnte. Warum ich das immer betone ist, weil diese Konferenz nicht nur für Menschen, die im therapeutischen Bereich arbeiten informativ ist. Und auch wenn Theaterpädagogen keine Therapeuten sind, was ich persönlich immer wieder gern betone, so beinhaltet diese Arbeit doch therapeutische Effekte und ich halte es für sinnvoll darüber zu wissen.

Der Titel des dritten Workshops lautete: „Passion Play and the Comedic Way  (…)“
Es ging um die Commedia del`Arte und ihre Figuren, die voller Kontraste und widersprüchlicher Gefühle stecken, also absolut vergleichbar mit dem Menschen. Neben Spieltechniken wurden Möglichkeiten für die therapeutische Arbeit aufgezeigt.

Neben dem ganztägigen Programm, trafen sich die StudentInnen, die auf der ECArTE vertreten waren, im Rahmen eines „Student Forum“. Es war für mich sehr interessant Einblicke in die Studiengänge anderer Länder zu bekommen.

Zum Abschluss der jeweiligen Konferenztage oder gleich am Morgen präsentierten verschiedene KünstlerInnen unterschiedliche Performances im Bereich Theater, Musik und Tanz(-theater) und Butoh Dance. Das waren zum größten Teil Auftritte, die mir einen Einblick in die jeweilige Arbeit bestimmter Disziplinen verschaffte.

Einen praktischen Einblick in die Bildende Kunst und Kunsttherapie bekam ich innerhalb einer „Large Art Therapy Group“. Etwa 100 TeilnehmerInnen trafen sich in einem großen Raum, in dem verschiedene Materialien auslagen. In Bezug auf die ECArTE Konferenz durfte sich jeder am Material und Farben bedienen, um sich künstlerisch auf die bisherigen Erlebnisse zu beziehen.
Es wurde geklebt, (sich an-) gemalt, gestaltet, musikalisch- rhythmische Elemente wurden integriert, zwei Teilnehmer boten eine kleine performative Show. Wir kommunizierten miteinander mit künstlerischen Mitteln. Am Ende gab es ein riesiges Konstrukt, das im Raum hang und stand, das aus verschiedenen Kunstwerken zu einem großen wurde. Zum Abschluss wurde das Geschehen in einer Diskussion reflektiert.

Ich halte den Besuch der ECArTE, die alle zwei Jahre stattfindet, für ein besonderes Erlebnis, in dem es viele Räume gibt, in denen Fachwissen und Erfahrungen aus der Praxis vermittelt werden, praktisches Erleben und Ausprobieren möglich ist, ein internationaler Austausch stattfindet und die Potenziale des interdisziplinären Gedanken deutlich spürbar und nachvollziehbar werden.


Stephanie Amtenbrink (Studiengang: Theater im Sozialen; 7. Trimester; November 2011)

 
In Zusammenarbeit mit der

Logo der Fachhochschule Ottersberg